Spectaculum zu Worms

Veröffentlicht am 19. Mai 2026 um 19:53

Das Wormser Spectaculum: Von stolzen Jarls, angeleinten Gemahlen und der Flucht der Hungrigen

Worms, im Wonnemonat Mai des Jahres 2026

Es ist vollbracht! Nach Jahren des bitteren Wartens – in denen uns entweder die Götter mit ungnädigem Wetter straften, unsere Schneiderinnen mit den Gewandungen im Verzug waren, Absagen dazwischenkamen oder das Schicksal uns schlicht an andere Ufer trieb – haben mein treuer Jarl und ich endlich die Tore des berüchtigten Wormser Spectaculums durchschritten. Und was soll ich sagen? Das Wäldchen hielt, was die Gerüchteküche versprach, denn es war unser allererstes Mal in Worms.

Der Einzug des Nordens

Um dem Hofstaat direkt den Wind aus den Segeln zu nehmen: Mein Jarl und ich wählten für dieses lang ersehnte Debüt die Mode des hohen, wilden Nordens. Er, ein wahres Bildnis von einem Krieger in feiner Tunika, die treue Axt fest im Griff und ein mächtiges Schulterfell tragend, das selbst dem eisigsten Winter standgehalten hätte. Ich wich ihm nicht von der Seite, ebenfalls gehüllt in ein stolzes Kleid, geziert mit passendem Fell. Gewiss, die Gelehrten der Historie mögen über die absolute Authentizität unserer Stoffe debattieren, doch das ist unsere Kleidung auch nicht – aber die Eleganz und der optische Einklang unseres Auftretens waren unbestreitbar.

Tatsächlich erregte unser Erscheinen solches Aufsehen, dass zwei ehrenwerte Damen uns ganz höflich um ein Foto baten, da sie uns als Pärchen so wunderschön und optisch perfekt passend fanden. Ein Kompliment, das mein Herz natürlich mit Stolz erfüllte!

Skandale am Einlass und das „bunte Volk“

Doch kein Fest ohne ein veritables Tuscheln! Bereits an den Eingangskassen stockte mir der Atem. Es kam uns doch tatsächlich ein Weib entgegen, welches ihren eigenen Gefährten – man wagt es kaum niederzuschreiben – an einer Leine hinter sich herführte! Ein absolut schrecklicher Anblick, der uns doch sehr verwunderte.

Zudem schien es, als hätten sich die Grenzen der Realität im Wormser Wäldchen gefährlich verschoben. Orks, Elfen und allerlei anderes buntes Fantasy-Volk, das man sonst eher auf den fernen MPS-Märkten vermutet, flanierten unter den Bäumen. Nun finde ich persönlich zwar, dass „Fantasy“ auf einen reinen Mittelaltermarkt nicht so ganz passt, doch der Fairness halber muss ich gestehen: Die Kostüme waren trotzdem super schön anzusehen und ein echter Prachtschmaus für das Auge.

Die Sünden der Börse und die Flucht vor den Massen

Natürlich blieben auch wir von den Sünden des Marktes nicht verschont. Die Händler verstanden ihr Handwerk meisterlich, und so wechselten beträchtliche Münzen den Besitzer. Neue, weiche Felle für unsere Gemächer und geschmiedete Waffen haben den Weg in unser heimisches Lager gefunden – man muss schließlich für den nächsten Schildwall gerüstet sein.

Gegen Nachmittag jedoch stieß die Romantik an ihre Grenzen. Das Spectaculum war derart schrecklich überlaufen, dass die Warteschlangen vor den Essen- und Getränkeständen ewig lang waren. Als der Hunger gar zu wild an den kriegerischen Mägen nagte, trafen wir eine weise Entscheidung. Wir verließen den Markt noch vor dem Auftritt der Spielleute von Koenix (welche, wie wir später in den sozialen Medien sahen, ohnehin überhaupt nicht unseren Geschmack getroffen hätten).

Stattdessen kehrten wir in einem nahegelegenen Restaurant ein –  Die Gesichter der dortigen Gäste waren ein absolutes Fest für die Götter. Die feinen Herrschaften haben vielleicht Augen gemacht, als ein stolzer Jarl und seine Schildmaid in Fell und Pracht das Etablissement stürmten, um ihr wohlverdientes Essen einzufordern.

Ein wahrlich gelungener Auftakt für unsere Zeitreisen. Man darf gespannt sein, wohin uns der Wind als Nächstes trägt...


Kommentar hinzufügen

Kommentare

Es gibt noch keine Kommentare.

Erstelle deine eigene Website mit Webador